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Bei uns lernst du nicht nur wie eine Technik funktioniert, sondern durch den Zugriff auf historische Quellentexte wie das Bansenshukai auch das Warum.
Das Wort Ninjutsu (jap. 忍術) setzt sich im Japanischen aus zwei Schriftzeichen zusammen. Die eigentliche Bedeutung geht dabei weit über das hinaus was wir aus Filmen kennen. Das Zeichen Nin (jap. 忍) besteht aus zwei Teilen. Oben sieht man die Klinge eines Schwertes und unten das menschliche Herz. Zusammen bedeutet es Geduld, Ausdauer und die Fähigkeit, extreme Widrigkeiten zu ertragen, selbst wenn einem die Klinge auf dem Herzen liegt.
Das Wort Jutsu (jap. 術) steht einfach für die Kunst oder die Methode. Wenn wir es übersetzen, ist Ninjutsu also die Kunst des Ausdauerns und des Überlebens mittels physischer und psychischer Flexibilität.
Ein Mensch der diese Kunst ausübt wird historisch als Shinobi (jap. 忍び) oder im modernen Sprachgebrauch als Ninjutsuka bezeichnet [1].
Die Wurzeln dieser Kunst liegen tief in der japanischen Frühgeschichte verborgen abseits der offiziellen kaiserlichen Geschichtsschreibung. Das System entstand als eine sehr clevere und asymmetrische Antwort auf den starren Ehrenkodex der klassischen Samurai (jap. 侍).
Die eigentlichen Väter des Ninjutsu waren die Yamabushi (jap. 山伏). Das waren spirituelle Bergmönche und Einsiedler. Sie zogen sich ab dem siebten Jahrhundert in die unzugänglichen Bergregionen der Provinzen Iga und Kōga zurück [2].
In der Isolation der Natur entwickelten diese Bergmönche ein enormes Wissen über das Wetter, die Geografie und die Medizin. Sie lernten, wie man Gifte oder Sprengstoffe herstellt und wie man den eigenen Geist extrem fokussiert. Diese mentale Stärke durch Handgesten und Lautformeln nannten sie Sanmitsu (jap. 三密) oder Ninpō Mikkyō (jap. 忍法密教) [3]. Als später flüchtende Samurai und Generäle in die Berge kamen, vermischte sich dieses spirituelle Wissen mit hocheffektiver Kriegskunst.
Um das Jahr 1165 formierten sich dann die ersten festen Familienclans. Als Begründer der ältesten Linie gilt Daisuke Nishina, der die berühmte Togakure Ryū (jap. 戸隠流) gründete [4].
Um die absolute Geheimhaltung zu schützen, waren die Clans in Iga und Kōga wie ein unsichtbares Netzwerk aufgebaut. Es gab eine strikte Dreiteilung der Aufgaben, um Verrat unmöglich zu machen.
An der Spitze standen die Jōnin (jap. 上忍). Das waren die strategischen Köpfe und die absoluten Befehlshaber. Sie verhandelten im Geheimen mit den Fürsten und trafen die politischen Entscheidungen. Ihre Identität war selbst innerhalb des eigenen Clans kaum jemandem bekannt [5].
Die mittlere Ebene bildeten die Chūnin (jap. 中忍). Sie waren die Organisatoren und Planer vor Ort. Sie bekamen die Befehle von ganz oben, stellten die Teams zusammen und überwachten das tägliche Training der Krieger [5].
Die eigentliche Arbeit an der Front erledigten die Genin (jap. 下忍). Das waren die ausführenden Agenten. Sie tarnten sich im Alltag als einfache Bauern, Händler oder Mönche. Sie führten die Spionage und die Sabotage durch, ohne jemals zu wissen, wer ihr oberster Chef ganz oben eigentlich war [5].
Die Organisationen in den Bergen wurden im Laufe der Zeit so mächtig, dass sie für die Herrscher eine echte Bedrohung darstellten. Im Jahr 1581 kam es zur großen Katastrophe. Der mächtige Feldherr Oda Nobunaga zog mit einer riesigen Armee von über 45000 Samurai in die Provinz Iga. Die nur etwa 4000 Ninja verteidigten sich erbittert, aber die Region wurde fast vollständig zerstört.
Die Überlebenden flohen in alle Richtungen. Ein wichtiger Teil von ihnen unter der Führung des legendären Hattori Hanzō schloss sich später dem Shōgun Tokugawa Ieyasu an [6]. In der darauffolgenden friedlichen Epoche veränderte sich die Rolle der Ninja komplett. Sie wurden zu Palastwachen, Geheimpolizisten (jap. 目付) und persönlichen Leibwächtern des Herrschers [6].
Entgegen vielen modernen Mythen waren die historischen Ninja keine gewissenlosen Meuchelmörder. Ihr Handeln basierte auf einem tiefen ethischen Fundament, das sich stark vom Ehrenkodex der Samurai unterscheidet. Während ein Samurai für den Ruhm den Tod suchte, war das oberste Ziel des Ninja das Überleben. Nur wer überlebte, konnte die Mission erfüllen und die Familie schützen.
Ein zentraler Begriff in ihrer Philosophie ist Ninjō (jap. 人情), was so viel wie Menschlichkeit und Mitgefühl bedeutet.
Gewalt galt immer als das allerletzte Mittel, wenn Diplomatie und Täuschung versagt hatten. In den alten Schriften wie dem Bansenshūkai wird immer wieder betont, dass derjenige den Kampf verliert, der gegen die Gesetze der Natur verstößt [7].
Das eigentliche Fundament aller körperlichen Techniken im Ninjutsu wird als Ninpō Taijutsu (jap. 忍法体術) bezeichnet. Dieses waffenlose System unterscheidet sich grundlegend von modernen Sportkampfkünsten, weil es nicht für den sportlichen Wettkampf, sondern für das nackte Überleben in lebensgefährlichen Situationen entwickelt wurde.
Es ist stark von alten japanischen Traditionen wie dem Jūjutsu und dem Koppōjutsu beeinflusst.
Das System ist so aufgebaut, dass ein kleinerer oder schwächerer Mensch sich effektiv gegen einen körperlich überlegenen Angreifer verteidigen kann. Die Bewegungen nutzen die natürliche Biomechanik des Körpers aus. Statt roher Kraft einzusetzen, weicht man der Angriffsenergie des Gegners aus und nutzt dessen Schwung gegen ihn selbst.
Das Training umfasst dabei Fallschulen, Hebeltechniken, Würfe sowie Tritte und Schläge gegen die empfindlichen Vitalpunkte des menschlichen Körpers.
Um als vollwertiger Krieger des Clans zu gelten, musste ein Ninja weit mehr als nur kämpfen lernen. Das gesamte Ausbildungsprogramm umfasste exakt achtzehn Disziplinen, die historisch als Shinobi Jūhachkei überliefert sind. Diese Disziplinen decken das gesamte Spektrum von der körperlichen Fitness über den Umgang mit Waffen bis hin zu psychologischen und strategischen Fähigkeiten ab.
Die erste Disziplin ist Seishinteki Kyōyo, was die geistige und spirituelle Verfeinerung bedeutet. Es folgt Taijutsu, der waffenlose Nahkampf mit dem eigenen Körper. Die dritte Kunst ist Kenjutsu, das meisterhafte Beherrschen des Schwertkampfes. Als vierte Disziplin wurde Bojutsu gelehrt, der Kampf mit dem langen Holzstab.
Dazu kam Sojutsu, die Kunst des Speerkampfes, gefolgt von Naginatajutsu, dem Umgang mit der japanischen Hellebarde. Die siebte Disziplin ist Kusarigamajutsu, der hochkomplexe Kampf mit der Kettensichel. Die eighth Kunst ist Kayakujutsu, das Wissen über den Einsatz von Feuer, Sprengstoffen und Schießpulver.
Die neunte Disziplin umfasst Hensojutsu, die hohe Kunst der Verkleidung und der optischen Täuschung. Es folgt Shinobi Iri als zehnte Disziplin, welche die Kunst des lautlosen Schleichens und des Eindringens in feindliche Gebäude beschreibt. Die elfte Disziplin ist Bajutsu, das Reiten und der Kampf zu Pferd. Danach kommt Suiemon, das Training im Schwimmen und der Bewegung im Wasser, als zwölfte Disziplin.
Die dreizehnte Disziplin ist Bo Ryaku, die militärische Strategie und Taktik im Großen. Es folgt Cho Ho, die klassische Spionage und das Beschaffen von geheimen Informationen. Diese stellt die vierzehnte Disziplin dar.
Die fünfzehnte Kunst ist Shinobi Aruki, das schnelle und ausdauernde Laufen im Gelände. Dazu kam Intonjutsu, das Wissen über das Tarnen und Verschwinden in der Natur unter Nutzung der Elemente. Die siebzehnte Disziplin ist Tenmon, die Meteorologie und das Lesen des Wetters.
Den Abschluss bildet die achtzehnte Disziplin Chimon, welche die Geografie und das perfekte Ausnutzen des Geländes lehrt.
Das Waffenarsenal im Ninjutsu war extrem vielseitig und oft so konstruiert, dass die Werkzeuge im Alltag nicht als Waffe auffielen. Die wohl bekannteste Waffe ist das Ninja Schwert, das historisch korrekt als Ninja Tō (jap. 忍者刀) oder Shinobi Gatana bezeichnet wird. Im Gegensatz zum gebogenen, langen Schwert der Samurai hatte das Ninja Schwert eine kürzere, fast gerade Klinge und eine quadratische Stichblätter Platte.
Diese Platte (jap. Tsuba) war so stabil, dass der Ninja sie als Trittstufe nutzen konnte, um Mauern zu erklimmen. Die Schwertscheide war oft absichtlich länger und enthielt im unteren Teil geheime Fächer für Blendpulver oder Gifte.
Eine weitere extrem vielseitige Waffe was die Kusarigama (jap. 鎖鎌). Sie besteht aus einer klassischen Erntesichel, die über eine lange Eisenkette mit einem schweren Eisengewicht verbunden ist. Mit dem Gewicht konnte man die Waffe des Gegners blockieren oder ihn aus der Distanz zu Boden reißen, während die Sichel im extremen Nahkampf tödlich war.
Für den Distanzkampf nutzte man zudem das Blasrohr, das Fukiya (jap. 吹き矢) genannt wurde und mit giftigen Pfeilen bestückt war.
Neben den großen Waffen spielten kleine, versteckte Werkzeuge eine entscheidende Rolle. Die weltbekannten Wurfsterne heißen in der Fachsprache Shuriken (jap. 手裏剣). Es gab sie in zwei Hauptformen. Zum einen die Bo Shuriken, die wie lange, spitze Stahlnadeln geformt waren. Zum anderen die Shaken oder Kuruma Shuriken, welche die typische Sternform mit mehreren Zacken besaßen.
Sie wurden selten als primäre, tödliche Waffe genutzt, sondern dienten meistens zur Ablenkung, um den Feind im Gesicht zu verletzen und sich Zeit für die Flucht zu verschaffen.
Für das Überwinden von Hindernissen nutzte man die Kaginawa (jap. 鉤縄). Das ist ein stabiler Kletterhaken aus Eisen, der an einem langen Seil aus Pferdehaar befestigt war. Damit konnten die Agenten Mauern überwinden oder sich von Baum zu Baum bewegen. Um Verfolger aufzuhalten, streute man Tetsubishi (jap. 鉄菱) auf den Boden.
Das sind kleine, vierzackige Krähenfüße aus Eisen, die so geformt sind, dass immer eine scharfe Spitze nach oben zeigt. Sie durchbohrten die dünnen Strohsandalen der Angreifer und machten eine Verfolgung im Dunkeln umsetzbar.
Nach dem Ende der kriegerischen Epochen in Japan drohte das Wissen der alten Clans fast vollständig in Vergessenheit zu geraten. Dass die authentischen Techniken die Jahrhunderte überdauerten, ist vor allem einem Mann zu verdanken. Toshitsugu Takamatsu, der oft als der letzte echte Kampfkunst Krieger der alten Schule bezeichnet wird, sammelte und bewahrte das Erbe mehrerer traditioneller Schulen.
Er verbrachte viele Jahre in China, erlebte dort reale Kampfsituationen und gab sein immenses Wissen schließlich an seinen wichtigsten Meisterschüler weiter. Dieser Schüler war Masaaki Hatsumi, welcher im zwanzigsten Jahrhundert die Tore der bis dahin geheimen Schulen für die gesamte Welt öffnete. Hatsumi gründete das Bujinkan (jap. 武神館) und strukturierte die alten Lehren neu, um sie für Menschen außerhalb Japans zugänglich zu machen.
Die globale Verbreitung des Bujinkan begann mit einer Handvoll visionärer westlicher Schüler, die direkt in Japan unter Masaaki Hatsumi trainierten. Als die allerersten Nicht-Japaner reisten Doron Navon und Dani Waxman Ende der 1960er Jahre nach Japan.
Sie lernten dort als Pioniere direkt an der Quelle und brachten die Kunst später in ihre Heimatländer. Für den europäischen Kontinent gilt Bo Munthe aus Schweden als der wahre Urvater des westlichen Ninjutsu.
Er war der Erste, der die Erlaubnis erhielt, Hatsumis Lehren in Europa zu verbreiten, und entfachte damit eine riesige Welle der Begeisterung auf dem gesamten Kontinent.
Ein weiterer Meilenstein für die westliche Welt war die Arbeit von Stephen K Hayes. Er reiste in den 1970er Jahren nach Japan, wurde zu einem der bekanntesten Botschafter der Kampfkunst und machte das Ninjutsu vor allem im amerikanischen Raum extrem populär.
Im Laufe der Jahre entwickelte Hayes das System weiter und gründete schließlich seine eigene moderne Organisation namens To Shin Do. Diese Richtung passt die historischen Verteidigungsprinzipien der Ninja an die Bedrohungsszenarien der heutigen modernen Gesellschaft an.
Das von Masaaki Hatsumi gegründete Bujinkan, übersetzt als die Halle des göttlichen Kriegers, ist kein homogener Stil, sondern ein dynamisches Kollektiv aus neun eigenständigen, traditionellen Kampfkunstschulen. Drei dieser Schulen befassen sich exklusiv mit den historischen Taktiken des Ninjutsu, während die anderen sechs Linien die klassischen Kampfsysteme der Samurai, die sogenannten Samuraikünste, bewahren. Jede dieser Schulen bringt ihre ganz eigene Spezialisierung in das tägliche Training ein.
Die Schulen teilen sich wie folgt auf. Die Togakure Ryū (jap. 戸隠流) gilt als das historische Fundament für die Spionage und die Kunst des Versteckens.
Die Gyokko Ryū (jap. 玉虎流) ist spezialisiert auf das hocheffektive Jūjutsu mittels Muskeltrennung und Fingerstichen.
Die Kuki Shinden Ryū (jap. 九鬼神伝流) vermittelt das meisterhafte Beherrschen von schweren Kriegswaffen wie dem langen Stab, dem Speer und der Hellebarde.
Die Kotō Ryū (jap. 古藤流) konzentriert sich auf das systematische Brechen von gegnerischen Knochenstrukturen.
Die Takagi Yōshin Ryū (jap. 高木揚心流) beinhaltet fortgeschrittene Techniken des ritterlichen Nahkampfs und der Festnahme.
Die Shinden Fudō Ryū (jap. 神伝不動流) nutzt die natürlichen Prinzipien der Bewegung und des unerschütterlichen Herzens.
Die Gyokushin Ryū (jap. 玉心流) sowie die Kumogakure Ryū (jap. 雲隠流) bewahren die tieferen, strategischen Konzepte der Informationsbeschaffung und der Täuschung im Feld.
Die Gikan Ryū (jap. 義鑑流) schließlich zeichnet sich durch extrem tiefe Stellungen und dynamische Beinarbeit aus.
Im Gegensatz zu modernen Kampfsportarten kennt das Bujinkan eine sehr tiefe und philosophisch untermauerte Rangstruktur. Die Schülergrade werden als Kyū (jap. 級) bezeichnet und zählen rückwärts vom neunten bis zum ersten Grad, wobei die Trainierenden einen grünen Gürtel tragen.
Die Meistergrade werden als Dan (jap. 段) klassifiziert. Die ersten zehn Meistergrade teilen sich in die klassischen Elemente der Natur auf, wobei die Stufen eins bis fünf für die Erde, das Wasser, das Feuer, den Wind und die Leere stehen.
Die wohl wichtigste Prüfung im Leben eines Praktizierenden ist der Sakki Test zum Erreichen des fünften Meistergrads. Hierbei sitzt der Prüfling mit dem Rücken zum Großmeister auf dem Boden und muss einem unangekündigten, von hinten geführten Schlag mit einem Holzschwert rein intuitiv durch das Erspüren der Tötungsabsicht, dem sogenannten Sakki (jap. 殺気), ausweichen.
Nach dem zehnten Meistergrad folgt eine Besonderheit des Bujinkan, welche die Stufen elf bis fünfzehn umfasst. Diese Grade repräsentieren die fünf Elemente des klassischen Ehrenkodex und symbolisieren das Erreichen der höchsten spirituellen Reife, bei der das Ego vollständig in den Hintergrund tritt.
Aus der Traditionslinie von Toshitsugu Takamatsu entwickelten sich im Laufe der Zeit drei große, international anerkannte Organisationen, die das Erbe der Ninja dicht an der historischen Realität bewahren. Neben dem Bujinkan von Masaaki Hatsumi gründete Tsunehisa Shoto Tanemura, ein enger Verwandter und langjähriger Meisterschüler Hatsumis, die Genbukan (jap. 玄武館) Ninpo Bugei Federation.
Tanemura legte dabei von Anfang an extremen Wert auf eine sehr traditionelle, strukturierte und disziplinierte Ausbildung.
Die dritte große Säule bildet das Jinenkan (jap. 自然館), welches von Fumio Manaka, im Dojo bekannt als Unsui, ins Leben gerufen wurde.
Fumio Manaka war der erste Meisterschüler von Hatsumi und konzentrierte sich im Jinenkan vor allem auf das tiefe Studium der alten Schriftrollen und die präzise technische Umsetzung der historischen Kampfkünste, dem sogenannten Kobudo (jap. 古武道).
Die Verbreitung dieser anspruchsvollen Kampfkünste im Westen erforderte starke Persönlichkeiten, die feste Organisationsstrukturen aufbauten. Für die Genbukan Ninpo Bugei Federation übernahm Guy Aerts diese verantwortungsvolle Rolle. Er leitet die Geschicke der Organisation als Europa-Präsident von Belgien aus und sorgt für die Einhaltung der hohen Qualitätsstandards auf dem gesamten Kontinent.
Die Geschichte in Deutschland und den angrenzenden osteuropäischen Ländern ist eng mit dem Namen Thorsten Ritz verbunden. Er baute über Jahrzehnte die Strukturen für Deutschland, Polen, Österreich und Weißrussland im Genbukan auf.
Im Jahr 2014 trennte sich Thorsten Ritz jedoch vom Genbukan-Verband, um völlig eigenständige Wege zu gehen. Er gründete die Ninjutsu Europe Federation, kurz N.E.F, um der Ausbildung und der Entwicklung in Europa eine maßgeschneiderte, zeitgemäße Plattform zu bieten.
Die Führung des traditionellen Genbukan Ninpo Bugei Verbandes in Deutschland wurde daraufhin von seinem ehemaligen Schüler Sebastian Tschöpe übernommen, der diese spezifische Linie seither weiterführt.
Das Jissen Jinenkan Kobudo und neue internationale Strömungen
Parallel zur Entwicklung des Bujinkan und Genbukan hat sich auch das Jinenkan als feste und hochgeschätzte Institution in Europa etabliert. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf dem Jissen Jinenkan Kobudo, dem praktischen und realitätsbezogenen Studium der alten Kriegskünste.
Die organisatorische Leitung und technische Koordination auf kontinentaler Ebene wird dabei maßgeblich von Mario de Mol getragen, der die Struktur für das Jinenkan Europa festigt. Auf nationaler Ebene sorgt Oliver Fuchs als führender Experte für das Jinenkan Deutschland dafür, dass die komplexen Techniken mit den traditionellen Waffen und die waffenlosen Bewegungsformen absolut unverfälscht und präzise unterrichtet werden.
Die Dynamik und Evolution der Kampfkunst zeigt sich auch in neueren, globalen Bewegungen außerhalb der klassischen Hauptverbände.
So haben namhafte Lehrer wie Roy Ron und James Wright mit der Shinsenkan Kokusai Kobudo Renmei eine eigene moderne Organisation ins Leben gerufen. Diese neuen Verbände setzen eigene Akzente in der Ausbildung, pflegen die historischen Techniken und sorgen dafür, dass das Erbe der Schattenkrieger auch in der heutigen Zeit lebendig, vielseitig und für moderne Kampfkünstler hochrelevant bleibt.
[1] Linguistische Analyse der Schriftzeichen Nin und Jutsu gemäß den historischen Abhandlungen des Iga-ryū Ninja Museums sowie den Lehrforschungen moderner Enzyklopädien der Kampfkünste (S. 447).
[2] Zur historischen Genesis der Yamabushi und dem Einfluss der synkretistischen Denkschulen des Shugendō auf die asymmetrische Kriegführung in den Provinzen Iga und Kōga (S. 446/447).
[3] Systematik der esoterischen Praktiken Sanmitsu und Ninpō Mikkyō zur psychophysischen Konditionierung durch Mudra, Mantra und Mandala (S. 449).
[4] Stammbaumforschung und Ursprünge der Togakure-ryū unter Daisuke Nishina im zwölften Jahrhundert (S. 447/449).
[5] Soziologische Strukturierung der geheimen Operationsverbände in die Ebenen Jōnin, Chūnin und Genin nach den historischen Aufzeichnungen des Bansenshūkai (S. 446).
[6] Dokumentation des Tenshō Iga no Ran (1581) und der anschließenden Integration der Koga und Iga Überlebenden in den Sicherheitsapparat des Tokugawa Shōgunats unter Hattori Hanzō (S. 446).
[7] Philosophischer Exkurs zum Thema Ninjō (Menschlichkeit) und dem ethischen Manifest gegen den Missbrauch der Kriegskunst in den klassischen Schriftrollen (S. 445/446).
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